Zurück

ID: 107 (Conflict of Interest: K)

1+1+1=4, wenn chirurgische Spezialisten an einem Strang ziehen? Interdisziplinarität und mikrochirurgische Anastomosierung

J.Kröplin, P.Schneider, R.Bschorer
Helios Kliniken Schwerin, Schwerin

Einleitung

In der Folge eines Verkehrsunfalls erlitt ein 60- jähriger Patient mit pAVK eine Tibiakopffraktur des rechten Beines. Diese wurde zunächst konservativ behandelt. Aufgrund persistierender Schmerzen und Funktionseinschränkungen erfolgte eine Schraubenosteosynthese des nicht ausgeheilten Tibiakopfes. Im Verlauf kam es zu einer Wundheilungsstörung mit begleitender Nekrotisierung der bedeckenden Weichteile einschließlich der Haut. Dies führte zu einer Entzündung des Knies mit Zerstörung des Strecker-Apparates. Weitere konservative und operative Maßnahmen zur Infektsanierung im Bereich des Kniegelenkes blieben erfolglos, sodass der Patient mit massiver Bewegungseinschränkung und nachbehandlungswürdiger Wunde entlassen wurde.

Material und Methoden

Am Tage der Entlassung zog sich der Patient beim Besteigen eines Taxis eine Oberschenkelfraktur zu, die operativ mittels Fixateure extern versorgt wurde. Aufgrund der auch hier fortdauernden Wundheilungsstörungen wurde ein interdisziplinäres Konzept zur Rettung des Beins entwickelt. Von besonderer Bedeutung gestaltete sich die proximale Stenose und weitere atherosklerotische Veränderung der A. femoralis mit zahlreichen Kollateralgefäßen. Eine freie myokutane Lappen-Plastik durch die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen sollte zur Verbesserung der Weichteilsituation im gesamten Bein führen, und somit das Bein retten. Aufgrund der bestehenden vollständigen Obstruktion der A. femoralis ergab sich zunächst eine aussichtslose Situation da kein Gefäßstiel eines freien Transplantats die Länge zwischen Hüfte und Unterschenkel überbrücken konnte.

Ergebnisse

Gemeinsam mit den Kollegen der Gefäßchirurgie wurde als Problemlösung ein Femoropoplitealer (P1)-in situ-Venenbypass mittels der V. saphena magna des selben Beins (einschließlich einer Zerstörung der Venenklappen) hergestellt. Hierdurch konnte im Anschluss die mikrochirurgische Anastomosierung eines freien Latissimus-Transplantats im Bereich des Unterschenkels ermöglicht werden.

Kurze Zeit später konnte der Patient die Klinik gehend verlassen.

Schlussfolgerung

Wenn die Spitzenleistung einer Klinik zur Problemlösung nicht ausreicht, kann durch den Synergieeffekt mehrerer Spezialleistungen ein größerer Benefit für den Patienten erzielt werden als dies durch eine einzelne Kliniken zu realisieren wäre. Durch die fächerübergreifende Zusammenarbeit von Gefäßchirurgie, Orthopädie und Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie konnte so in einer aussichtslosen Situation statt der Amputation ein voll funktionsfähiges Bein wiederhergestellt werden.

Der vorliegende Fallbericht zeigt eindrücklich die erfolgreiche patientenorientierte Zusammenarbeit dreier verschiedener chirurgischer Fachdisziplinen addiert zu einem Erfolg der zu mehr als der Summe dreier Abteilungen eingestuft werden kann.