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ID: 18 (Conflict of Interest: K)

Weiterbildung meets Zukunft: Was brauchen die ärztlichen Führungskräfte von morgen? Eine prospektive Analyse

J.Kröplin, D.Schneider, M.El-Ahmar, A.Forberger, E.Qemalli, T.Wilk, R.Bschorer, J.-P.Ritz
Helios Kliniken Schwerin, Schwerin

Einleitung

Die Facharztweiterbildung – als wesentlicher Bestandteil des Gesundheitswesens - unterliegt einem stetigen Wandlungsprozess. Mit einer kompetenzbasierten Weiterbildung wird zukünftig der Aufbau von Kognitiven-, Methoden- sowie Handlungskompetenzen in den Fokus rücken.  Ziel der vorliegenden Studie war die Analyse der aktuellen Weiterbildungssituation aller Fachbereiche in einem Haus der Maximalversorgung. Von besonderem Interesse war die Untersuchung des Zusammenhangs von angestrebtem Karriereziel und der Beurteilung von Wichtigkeit und aktueller Umsetzung der abgefragten Inhalte.

Material und Methoden

Im Rahmen einer intranet-basierten Analyse wurden Inhalten bezüglich Einarbeitung (E), Weiterbildungsstruktur (WS) und Weiterbildungsveranstaltungen (WV) anhand eines individuellen Fragebogens evaluiert. Die Wichtigkeit der Themenkomplexen wurde auf einer nummerischen Skala von 1 (sehr wichtig) bis 5 (sehr unwichtig) bewertet. Die Bewertung der aktuellen Umsetzung erfolgte ebenfalls auf einer Skala von 1 (vollständig umgesetzt) bis 5 (überhaupt nicht umgesetzt). Teilnehmen konnten alle Ärzte in Weiterbildung (ÄiW) der Klinik.

Ergebnisse

208 ÄiW erhielten einen Onlinefragebogen. Davon nahmen n = 92 (44,2 %) Kollegen an der Umfrage teil. 29 ÄiW gaben als Ziel einen Facharzt in einem operativen Gebiet an. Das häufigste Karriereziel ist der Oberarzt (n = 31).  Die abgefragten Themenkomplexe wurden im Mittel mit 1,5 (E), 1,6 (WS) und 1,9 (WV) bewertet;  die Umsetzung mit 3,2 (E), 3,0 (WS) und 2,6 (WV). Ein schriftliches Einarbeitungskonzept liegt 33,7 % (n = 31) aller ÄiW vor. Abweichungen hiervon gab es bei 48,9 %. Die Nutzung von skills labs ist 37,7 % (n = 34) der ÄiW möglich. Nur 7,6% aller teilnehmenden Kollegen waren mit der Vermittlung wissenschaftlicher Kompetenzen durch die Weiterbilder vollkommen zufrieden. Mentoring-Programme für die Weiterbildung stehen 30,4 % (n = 28) aller ÄiW zur Verfügung. Mit 94,6 % wurden die praktisch-medizinischen Fähigkeiten der Weiterbilder insgesamt als hoch bewertet. Ebenso die Förderung der interprofessionellen Zusammenarbeit (79,4 %).

Schlussfolgerung

Die Klinikkarriere ist für die überwiegende Mehrheit der ÄiW das angestrebte Berufsziel. Hier liegen insbesondere für die angehenden Ober- und Fachärzte an den Kliniken Diskrepanzen zwischen der Wichtigkeit und der Umsetzung der abgefragten Inhalte. Die jungen Kollegen mit dem Berufsziel „Niederlassung“ oder „Sonstiges“ sind vor allem mit der Umsetzung der Einarbeitung und Weiterbildungsstruktur unzufriedener als ihre Kollegen mit angestrebter Klinikkarriere. Aus Sicht der Autoren könnte durch Projekte wie innovative Konzepte für Einarbeitungs- und Rotationspläne,  die fächerübergreifende Einführung von Mentoren-Programmen, der Nutzung von skills labs sowie dem Aufbau von Kompetenzen wissenschaftlichen Arbeitens und Medical Leadership eine Verbesserung erzielt werden. Die Zufriedenheit am Weiterbildungsstandort könnte hierdurch erhöht und die jungen Kollegen für eine Karriere an einem Haus der Maximalversorgung stärker motiviert werden. Könnte am Ende auch das Karriereziel Chefarzt wieder attraktiv werden? Dies wird Gegenstand weiterer Untersuchungen sein.